Gedenken
Papst Johannes Paul II.

- Ein dichtes Spalier von Menschen säumte die Straßen, als Papst Johannes Paul II. am 20. Juni 1998 nach einem kurzen Gebet im St. Pöltner Dom mit dem „Papamobil“ zum Landhaus fuhr. 25.000 Gläubige, unter ihnen auch einige tausend Menschen aus den Nachbarstaaten, kamen in das Regierungsviertel, um beim ersten Besuch eines Papstes in St. Pölten dabei zu sein.
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Am 2. April jährt sich der Todestag von Papst Johannes Paul II. zum 20. Mal. Der 2014 heiliggesprochene Papst, dessen Pontifikat das längste in der Kirchengeschichte war, prägte die Welt und die Kirche im ausgehenden 20. Jahrhundert.
Mit zahlreichen Gedenkfeiern wurde dieser Tage dem heiligen Papst Johannes Paul II. gedacht. Eingeladen zu den Feierlichkeiten hatte jüngst Kardinalvikar Baldassare Reina in einer Botschaft an die Gläubigen der Diözese Rom. Das Leben und Wirken Johannes Pauls II. wurde darin als ein „großes Geschenk“ bezeichnet. Auch Kardinal Pietro Parolin hatte sich in der Zeitung „Avvenire“ über den Pontifex geäußert. Dieser sei ein „Gigant“ gewesen, der ein reiches Vermächtnis hinterlassen habe. Papst Franziskus, der sich nach seiner Lungenentzündung weiter schonen muss, hatte bereits am 12. Februar in einem Schreiben an den ehemaligen Privatsekretär Johannes Pauls, Kardinal Stanislaw Dziwisz, seine geistliche Nähe bekundet.
Der Einfluss des heiligen Johannes Paul II. auf Politik, Kultur und Spiritualität wurde bei einer in der letzten Märzwoche stattgefundenen Konferenz an der polnischen Universität Posen hervorgehoben. Mehrere der teilnehmenden Experten und Zeitzeugen bezeichneten Johannes Paul II. als Wegbereiter politischer Veränderungen. So nannte Polens Ex-Präsident Lech Walesa den Papst den zentralen spirituellen Anführer der Solidarnosc und erinnerte an dessen Einfluss auf die Überwindung des Kommunismus. „Er organisierte uns nicht zur Revolution, sondern zur Gebetsgemeinschaft. Erst dann hörte unsere Angst auf.“ Auch die Relevanz des Pontifex für die Gegenwart und Zukunft wurde hervorgehoben. Der Kiewer Großerzbischof Swiatoslaw Schewtschuk würdigte ihn als „Papst der Freiheit“. Der Biograf George Weigel warnte vor der heutigen Gefahr des Relativismus und Utilitarismus und betonte, dass Johannes Paul II. eine Freiheit gelehrt habe, die auf Wahrheit, Ordnung und Solidarität basiere.
Der Papst betonte immer wieder die Bedeutung Österreichs in einem freien Europa.
Der polnische Papst war darüber hinaus ein ausgesprochener Freund Österreichs: Der Vater von Johannes Paul II. diente im Ersten Weltkrieg in der österreichisch-ungarischen Armee. Die Nostalgie hinsichtlich des verschwundenen österreichisch-ungarischen Reiches – das von den Habsburgern beherrschte Galizien genoss im Vergleich zu anderen Teilen des heutigen Polen ein hohes Maß an Freiheit und politischer Anteilnahme – hing auch in der kommunistischen Zeit über Krakau. Diese Sicht blieb auch für den Erzbischof Wojtyla prägend. Bei der Reise zum Konzil nach Rom kam er nach Wien und lernte Kardinal Franz König kennen. Später führten drei seiner Auslandsreisen in 129 Länder der Welt Johannes Paul II. nach Österreich. Das war 1983, 1988 und zuletzt 1998.
Der Papst in Österreich
Der polnische Papst betonte immer wieder die Bedeutung Österreichs in einem freien Europa: Bereits am 10. September 1983 bei einer Europa-Vesper am Heldenplatz bezeichnete der Papst Österreich als „Spiegel und Modell“ Europas. Leider sei nicht ganz Europa „frei von fremder Herrschaft und kriegerischer Auseinandersetzung“, sagte er damals. Bei seiner Visite 1988 rief Johannes Paul II. dann mehrfach zu einer Neuevangelisierung ganz Europas auf. Im Gegensatz zu 1983 hatte sich in diesem Jahr der Eiserne Vorhang bereits einen Spalt geöffnet. Zum Papstgottesdienst im burgenländischen Trausdorf kamen rund 50.000 Ungarn, 15.000 Kroaten sowie Tschechen, Slowaken und Polen, zur Drei-Länder-Wallfahrt in Gurk Tausende Slowenen. In Trausdorf plädierte der Papst für einen „schöpferischen Erneuerungsprozess für ein geeintes Europa“ und unterstrich die „Brückenfunktion“ Österreichs zu Osteuropa.
Bei seinem Besuch in St. Pölten am 20. Juni 1998 rief der Papst den Gläubigen die Bedeutung der gelebten Kirche in Erinnerung: „Eure Familien mögen ‚Hauskirchen‘ sein, in denen die Kinder lernen, den Glauben zu leben und zu feiern.“ Der Besuch erfolgte in einer für die Kirche schwierigen Zeit, die von Missbrauchswürfen und innerkirchlichen Konflikten geprägt war, wie etwa die Kritik um den streitbaren damaligen Bischof von St. Pölten, Kurt Krenn.
KAP/Red.
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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