Armenfürsorge am Land
Die Einleger

Alte Leute, auch Einleger, halfen nach Kräften noch am Hof mit.  | Foto: Friedl Gelhausen, Friedl Höfler
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Jedes Ding hat zwei Seiten – auch die Erinnerung an vergangene Zeiten ist eine zwiespältige Sache. Einlegerwesen, Dienstbotenelend und Kinderarbeit sind die weniger schönen Seiten eines Rückblicks auf ein Leben am Land „wieʼs früher war“.

In einer Zeit, als es noch keine Pensionsversicherung gab, hatten es die alten Mägde und Knechte besonders schwer. Wer nicht das Glück hatte, sein Gnadenbrot bei einem Bauern zu erhalten, der musste in die Einlege gehen. Dafür mussten sie in ihre Heimatgemeinde zurückkehren, denn nur dort hatten sie ein Anrecht, als Einleger versorgt zu werden. Das bedeutet, dass jeder Bauer je nach Größe verpflichtet war, die Alten für Tage oder auch Wochen bei sich aufzunehmen.

Die oft gebrechlichen alten Menschen wanderten also mit ihren Habseligkeiten von Haus zu Haus, nicht selten von Rheuma geplagt und manchmal auch von Flöhen und Läusen. Eine heute schon verstorbene Bäuerin aus der Oststeiermark erzählte mir von der alten Einlegerin Greadl, die sie in ihrer Jugend noch kennen lernte: „Die Greadl musste bei jedem Bauern abgeholt werden, weil sie zwei schwere Buckelkörbe zu tragen hatte. Ein Korb war voll mit Bettwäsche und Kleidern, im anderen waren Gebetbücher, Rosenkränze, alte Brillen und hunderte Heiligenbilder. Mit denen hat sie die größte Freude gehabt. Von jedem einzelnen Bild wusste sie noch, von wem und auf welcher Wallfahrt sie es erhalten hatte. Die Bilder legte sie oft auf einer Bank oder Wiese auf, sang und betete für alle, die ihr diese Bilder gegeben hatten. Die Greadl ist bei jedem Bauern 14 Tage geblieben, wir haben sie nur einen Tag und eine Nacht behalten müssen, weil wir kleine Keuschler waren. Bei uns ist sie in der Stube gelegen, bei anderen Bauern hat man für sie im Stall ein Strohbett gemacht. In der Nazizeit habenʼs sie zusammengepackt und nach Kindberg ins Heim gebracht. Dort hat sie aber nicht mehr lang gelebt.“

Das Einlegerwesen war Teil der ländlichen Armenfürsorge. Eigentlich sollte es die Versorgung alter Dienstboten gewährleisten, tatsächlich war es für die Menschen am Ende ihres Lebens Mühsal und Last. Vergessen wir nicht ihre Schicksale und ihr schweres Los. Inge Friedl

Alte Leute, auch Einleger, halfen nach Kräften noch am Hof mit.  | Foto: Friedl Gelhausen, Friedl Höfler
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Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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