KPH Wien/Niederösterreich
"Ein wunderbarer Beruf"

Institutsleiterin Isabella Benischek (li.) und Brigitta Schnaubelt (re.), Leiterin des Instituts Christliche Religion, im Interview mit „Kirche bunt“. 
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  • Institutsleiterin Isabella Benischek (li.) und Brigitta Schnaubelt (re.), Leiterin des Instituts Christliche Religion, im Interview mit „Kirche bunt“.
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An der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Niederösterreich (KPH) werden Lehrerinnen und Lehrer der Primarstufe sowie Religionslehrerinnen und -lehrer aus-, fort- und weitergebildet. Im Interview sprechen die Institutsleiterin von Krems, Mag. Dr. Isabella Benischek, und die Leiterin des Instituts Christliche Religion, Mag. Brigitta Schnaubelt, die Ausbildungswege und werben für einen schönen, erfüllenden Beruf mit guten Zukunftsaussichten, für den man vor allem eines braucht: Liebe zu den Kindern.

An der KPH Wien/Niederösterreich am Campus Krems und ab Herbst am Campus St. Pölten werden die zukünftigen Volksschulpädagoginnen und -pädagogen und auch Religionslehrerinnen und -lehrer ausgebildet. Was konkret kann man an der KPH studieren?

Mag. Dr. Isabella Benischek: Wir bieten aktuell das vierjährige Bachelor-Studium Primarstufe sowie das ein- bzw. eineinhalbjährige Masterstudium Primarstufe an. Pro Jahrgang gibt es vier Seminargruppen sowie eine „berufsbegleitende“ Gruppe mit einer speziellen Organisationsform, damit Berufstätigkeit und Studium gut vereinbar sind.
Mit Herbst 2025 beginnen wir mit dem neuen dreijährigen Bachelorstudium Primarstufe, an das ein zweijähriges Masterstudium Primarstufe anschließt. Auch hier wird es das Angebot einer berufsbegleitenden Gruppe wieder geben, da es immer mehr Menschen gibt, die erst später in den Lehrberuf einsteigen bzw. die arbeiten müssen, um sich den Lebensunterhalt zu finanzieren. Weitere Angebote der KPH gibt es in der Sekundarstufenlehrerausbildung im Verbund Nord-Ost, in der Elementarbildung sowie im Bereich von Fort- und Weiterbildung.

Wie schaut das Bachelor-Studium Primarstufe konkret aus?

Benischek: In jedem Studiensemester werden sechs Module angeboten. Ein Modul besteht aus drei bis vier Lehrveranstaltungen, die thematisch zueinander passen. Während der Ausbildung gibt es eine enge Verbindung mit der schulischen Praxis, der Theorie-Praxis-Transfer ist uns sehr wichtig. Die Studierenden haben in jedem Semester ein Praktikum an einer Schule. Im ersten Semester hospitieren sie vorrangig und unterrichten kurze Sequenzen. Dies dient auch dem Rollenwechsel. Ab dem zweiten Semester werden ganze Stunden unterrichtet und in höheren Semestern gibt es Blockungen, sodass das Schulleben gut erlebt werden kann.

Werden die Studierenden gut auf die Praxis vorbereitet?

Benischek: Die Module der pädagogisch-praktischen Studien mit ihren Schulpraktika können als Taktgeber der Ausbildung gesehen werden. Die Lehrveranstaltungen der bildungswissenschaftlichen Grundlagen sowie der Primarstufenpädagogik und -didaktik liefern das Rüstzeug. Weitere Inhalte wie Klassenführung, Teamarbeit, Elterngespräche sowie Reflexionsphasen tragen ebenfalls zur Professionalisierung bei. Studierende müssen den Unterricht so gestalten können, dass alle Kinder in der Klasse entsprechend ihren Voraussetzungen gut lernen und sich weiterentwickeln können.

Wie gestaltet sich das Masterstudium?

Benischek: Das Masterstudium nimmt das System und den Lebensraum „Schule“ noch mehr in den Fokus. Die Lehrveranstaltungen werden zeitlich so angeboten, dass die Studierenden bereits im Lehrberuf tätig sein können. Das berufslebenslange Lernen wird immer wichtiger. Um Lehrpersonen auch nach dem Studium gut unterstützen zu können, gibt es an der KPH ein entsprechendes Angebot an Fort- und Weiterbildungen.

Was spricht dafür, den Beruf der Volksschullehrerin/des Volksschullehrers zu ergreifen?

Benischek: Das Besondere am Lehrberuf ist, Kinder in ihrer Entwicklung und in ihrem Kompetenzaufbau begleiten zu dürfen, sie beim Lernen unterstützen zu können. Jeder Tag ist anders, man wächst als Gruppe zusammen und kann gemeinsam viel gestalten. Die Bandbreite an Inhalten ist groß: Sprachliche Bildung, Mathematik, Sachunterricht, Bewegung und Sport, Musik, Kunst und Gestalten, Technik und Design, Medienbildung u.v.m. Darüber hinaus lernt man als Lehrperson die Schülerinnen und Schüler gut kennen, man wird zu einer Bezugsperson. Gerade in der Volksschule kann auf die individuellen Stärken der Kinder gut eingegangen werden. Wenn man mit Kindern arbeitet, bekommt man unmittelbar Feedback: das Leuchten in den Augen der Kinder, wenn sie etwas verstanden haben, die Freude, die sie ausdrücken, aber auch die Ehrlichkeit, wenn ihnen etwas nicht passt. Das ist schon etwas Wunderbares.

An der KPH wird auch die Religionslehrerinnen- und -lehrer-Ausbildung angeboten. Wie kann man heute Religionspädagoge werden?

Mag. Brigitta Schnaubelt: Ab dem 4. Semester belegen die Studierenden Lehrveranstaltungen in den Schwerpunkten oder Vertiefungsmodulen. Hierbei ist eine Möglichkeit, den Schwerpunkt Religion zu wählen. Unsere Hochschule bietet die Lehrbefähigung für den Unterricht verschiedener christlicher Konfessionen und Religionen an. Wir sind die einzige Einrichtung in Österreich, die neben den christlichen Religionslehrkräften auch Lehrkräfte für muslimischen, alevitischen, jüdischen und buddhistischen Religionsunterricht ausbilden.

Wie ist die aktuelle Situation hinsichtlich der Ausbildung als Religionslehrerin/-lehrer? Gibt es genügend Studierende, die an einer Ausbildung interessiert sind?

Schnaubelt: Wir haben das Problem, dass es seit 2015 keine eigenständige Ausbildung für Religionslehrkräfte mehr gibt. Seitdem müssen alle, die Religion unterrichten wollen, auch die Primarstufen-Ausbildung machen. Es gibt aber auch Personen, die keine klassenführende Lehrkraft sein wollen. Seit dieser Ausbildungsumstellung gibt es einen Einbruch an Interessierten. Dazu kommt die gesellschaftliche Positionierung der Kirche. In der Diözese St. Pölten konnten noch die offenen Religionsstunden abgedeckt werden, es gibt aber immer mehr Probleme damit. Wir haben eine Zeit, in der viele Religionspädagoginnen und -pädagogen in Pension gehen. Andererseits kommen immer weniger Ausgebildete nach, denn es gibt jetzt keine eigenständige Religionslehrerinnen- und -lehrer-Ausbildung mehr, weder an den Hochschulen, noch an den Universitäten.

Also bräuchte es wieder eine solche Ausbildung?

Schnaubelt: Das wäre schon ein Anliegen, eine eigenständige Ausbildung auch wieder zu ermöglichen! Genauso, wie es auch den Wunsch nach einer eigenständigen Ausbildung für inklusive Pädagogik gibt.

Kann man auch im zweiten Bildungsweg Religionspädagoge werden?

Schnaubelt: Es besteht die Möglichkeit eines Hochschullehrgangs: Quereinstieg für den Religionsunterricht in der Primarstufe. Für dieses Studium muss man keine ausgebildete Lehrkraft sein. Zulassungsvorrausetzung ist unter anderem, dass man ein Bachelor-Studium bzw. eine Ausbildung mit nachgewiesenen 180 Credits vorab abgeschlossen hat. Für diesen Ausbildungsweg, der berufsbegleitend angeboten wird, würden wir uns noch viel mehr Interessierte wünschen. Dieser Lehrgang wendet sich vor allem an Menschen, die sich beruflich umorientieren oder eine zusätzliche Lehrbefähigung erwerben wollen. Die Absolvierung dieser Ausbildung ermöglicht die Erlangung einer ordentlichen Lehrbefähigung und damit auch die Bezahlung im Vertragsbedienstetenschema. Und: Religionslehrerinnen und -lehrer werden besonders in den nächsten Jahren dringend gebraucht.

Was spricht heute dafür, Religionspädagoge zu werden?

Schnaubelt: Es ist ein wunderschöner Beruf, denn man kann den Kindern auf einer sehr persönlichen Ebene begegnen. Die Werte- und Haltungs-Vermittlung nimmt dabei einen großen Raum ein. Als Religionslehrkraft kann man sich über einen sinnstiftenden, sicheren Beruf mit Zukunft freuen, der viel Abwechslung mit sich bringt. Es geht darum, jungen Menschen Möglichkeiten aufzuzeigen, wo sie Verankerungen, Beständigkeit, Festigkeit und Vertrautheit finden können – in Personen und in einer Gottesbeziehung.

Was muss jemand mitbringen, um Lehrerin oder Lehrer zu werden?

Benischek: Das Allerwichtigste für den Beruf der Volksschullehrerin bzw. des Volksschullehrers ist die Liebe zu den Kindern – alles andere kann man bei uns an der Hochschule erlernen. Interview: Sonja Planitzer

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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